Mittwoch, 12. Juni 2013

Im Gespräch mit Almdudler-Boss Thomas Klein über seine Ursachen von Depression



 
(c) Thomas Klein/diepresse.com

Für Thomas Klein, den Sohn des Gründers, war das Kultgetränk ein ständiger Begleiter der Kindheit und Almdudler irgendwie „wie Muttermilch“. Dass er in die Fußstapfen seines Vaters treten würde, war dennoch keineswegs fix. Offen spricht er darüber, wie sich seine Depression anfühlt und die Krankheit einen zwingt, tiefer über sich selbst zu lernen.

Asim Aliloski: Du hast Almdudler sehr früh übernommen.
Thomas Klein: Mit 19 Jahren habe ich begonnen, mit 20 verstarb mein Vater. Ich habe damals nicht gespürt, was ich wirklich machen möchte. Eine Familientradition, ein Erbe weiterführen oder den Künstler in mir fördern. Ich entschied mich fürs Familienunternehmen, im Nachhinein betrachtet die richtige Entscheidung für die Marke.

Auch für dich?
Ich musste meine kreative Seite stark unterdrücken, emotional gesehen eine äußerst schwierige Zeit für mich. Meine Depression kann ich sicherlich auch auf diese Belastung zurückzuführen.

Wie schwer hatte es ein „Almdudler-Kind“?
In meiner Jugend war ich ein sehr angepasstes Kind, meine Pubertät hatte ich viel später. Ich war auch der Sohn, der den Eltern entsprochen hat. Die Rolle machte ich sehr gut, nur mir war persönlich nicht danach. Ich hatte mich auch nie wirklich aufgelehnt. Die Aggression in mir musste ich daher unterdrücken. Unterdrückung der Aggression ist meistens der Kernauslöser einer Depression.

Blieb es bei dieser Belastung?
Nein. Es ist weiters nicht einfach, als junger Mensch eine verstaubte Marke umzukrempeln und neu auszurichten. Die Arbeit war psychisch sehr kräfteraubend. Noch dazu habe ich meine Bisexualität jahrelang unterdrücken müssen. Das trug sicherlich auch zur Krankheit bei.

Du sprichst nicht nur über deine Krankheit, sondern auch über deine Sexualität. Warum?
Meine Familie wusste davon, ich habe ihnen kein anderes Leben vorgelebt. Ich wollte kein Zwangsouting haben, ich wurde auf einer bösartigen Art und Weise unter Druck gesetzt. Es war für mich kein wirkliches Outing, ich habe damit nur den vollkommen über Leichen gehenden Journalisten und ihren Zeitungen endlich die Segel genommen. Für mich ist es kein Thema mehr.

Du beschreibst eine Depression als Watte.
Ja, ich fühle mich da wie in Watte gepackt. Meine Gefühlsebene ist total blockiert. Wie in einem schwarzen Tunnel, in dem ich durch ein schwarzes Rohr sehe und nichts mehr spüre. Ich empfinde keine Freude, und mache mir Vorwürfe, warum ich sie nicht mehr spüre. Wenn meine Kinder früher für einige Tage bei den Schwiegereltern waren und wieder zurückkamen, empfand ich nichts. Es kamen dabei Schuldgefühle hoch.

Leistung in diesem Zustand zu erbringen ist wohl nicht einfach.
Die schweren Schübe habe ich immer noch, zwar nicht so oft und immer kürzer, aber sie kommen. In dem Zustand treffe ich keine Entscheidungen. Es geht an die Grenzen, eine Depression zu bewältigen. Vorwürfe, man würde nichts leisten, sind unberechtigt. Eine Depression an sich ist Arbeit genug. 

Anmerkungen Asim Aliloski:
Eine Depression ist ein Zustand, der durch langjähriges Leugnen emotionaler und seelischer Bedürfnisse verursacht wird. Jede Depression zwingt daher den Menschen, wieder zu sich selbst zu finden und über ein inneres Gefangensein hinauszuwachsen. 


ASIM ALILOSKI - BUDDHA PUBLIC RELATIONS 


Enter a new enlightened world ... buddhapr.com 

interview published 2009 in GIB MAGAZIN 

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